Mittwoch, 29. November 2017

FABIAN GINSBERG

 DISRUPTION 

 OPENING RECEPTION DECEMBER 6 2017 / 6-9 pm 

 on display from Dec 7 – 23  2017 





Disruption



Artikulation 1

Eine Kritikerin zum Beispiel, die die Kritik zu ihrem eigenen Problem machte, nicht zu einem persönlichen, sondern zu einem Formproblem, zu dem sie sagen könnte, dies bin ich, ich bin Autorin dieses Problems.
Oder ein Kritiker, dessen Einfluss auf ein Feld so groß ist, dass er mitbestimmen kann, was überhaupt als Gegenstand seiner Kritik hergestellt wird. Solche Kritik schafft den Raum ihrer Möglichkeit selbst, als eigenes Werk oder als dominiertes Feld. Sie kreiert eine autonome Vermittlungsebene zwischen Allgemeinem und Besonderem, die den Austausch regelt, sodass gewonnene Erkenntnisse wieder in den eigenen Kreislauf eingespeist werden können und das System wächst.

Einer Kritik, die ideologisch und rhetorisch mit ihrem Gegenstand konkurriert, die also weder formale noch inhaltliche Maßstäbe mit ihm teilt, allerdings auch kein eigenes System entwickelt, sondern analysierend der Entwicklung des kritisierten Gegenstandes folgt, fehlt die Möglichkeit von Scheitern und Gelingen. Entweder liegt die Subjektposition ihrer Artikulation hauptsächlich in einem anderen Feld und sie speist dort einen Diskurs, der den kritisierten Diskurs nur abschöpft. Dann bleibt sie ihm äußerlich, sie benutzt seine Entwicklung zur Stabilisierung der zu schwachen, eigenen Systematik. Oder sie wird selbst von ihrem kritisierten Gegenstand als Ressource benutzt und abgeschöpft, sie optimiert analysierend seine Systematik.
Kritikformen, die anerkennen, dass sie Teil des kritisierten Bereichs sind, lassen sich zwischen einem reaktionären und einem utopischen Pol verorten. Einerseits rhetorisch innovative und ideologisch redundante Kritik. Andererseits rhetorisch redundante und ideologisch innovative Kritik. Weil es keinen Standpunkt außerhalb der Diskurse gibt, folgt die Zuschreibung, was innovativ oder redundant sei, aus der Setzung was rhetorisch und was ideologisch ist, und dies ist nur die mittlere Sequenz einer Äquivalenzkette an deren entscheidenden Enden zwei Fiktionen, nämlich einerseits der als relevant selektierte Diskurs und andererseits das vorgefundene Ich stehen: Es ist meine Perspektive, meine Meinung, das Ich als Algorithmus. Diese Kritikformen fördern den Wettbewerb unter den Diskursen. Sie sind entweder Teil einer reduktionistischen oder einer emergenten Dynamik.
Eine Kritik, die rhetorisch und ideologisch innovativ ist, wäre revolutionär, oder irrelevant.

Artikulation 2

Solange der Status einer Person in einer Gruppe nicht etabliert ist, hat es für sie keinen Sinn, über Dinge zu sprechen, die den Horizont ihrer Gesprächspartner übersteigen. Sie würden unzufrieden sein und die Neue für einen Troll oder Dummkopf halten, mindestens würden sie sagen: wir verstehen dich nicht, und es als Vorwurf meinen. Besser ist es, sie erzählt den anderen Neuigkeiten von dort, wo sie herkommen, so erkennen sie ihren Rang.

Malerei im Raum

Converse zum Beispiel, oder Adidas, neu und unbenutzt. Die Schuhe werden langsam mit Pudding beträufelt. Der Pudding wird über den Schuhen ausgegossen. Er tropft überall auf die Schuhe, und in die Schuhe hinein, er läuft an ihnen herunter. Die Schuhe werden bestrichen. Eventuell danach auch an- und ausgezogen, sodass der Pudding geräuschvoll hervorquillt. Die beschmutzten Schuhe werden danach weggeworfen, oder weiter zerstört. Jedenfalls wird das Video hochgeladen und kommentiert.

Der Käufer spürt die Ware am meisten im Moment des Kaufs. Das Geld, das er bezahlen muss, hat etwas mit seinem Körper zu tun. Es hat etwas mit dem Verhältnis zwischen seinem Körper und seinem Bewusstsein zu tun. Nach dem Kauf ist die Ware bereits entwertet, ein bloßes Ding. Man sieht ihr entweder den Wert oder den Körper nicht mehr an. Man müsste sie gleich wieder verkaufen, aber dann fehlte sie. Es hilft, dass andere die Ware ebenfalls kaufen. Dadurch steigt sie eine gewisse Zeit im Wert.
Als die Verkörperung des Geldes und Vergeistigung seines Körpers wird die Ware im Kauf vom Käufer körperlich erfahren. Nach der kurzen Präsenzerfahrung dieses Übergangs sind beide wieder leer. Ware und Käufer müssen jetzt immer wieder neu identifizierend ineinander übergehen. Denn es reicht nicht, dass das Wort einmal Fleisch geworden ist, es soll dann auch sprechen.
Das Zeichen ist der Riss, man erfährt ihn im Sprung. Und nur im Sprung, denn Einheit ist unmöglich, die Vermittlung negativ. Zwischen Körper und Geist, zwischen Signifikant und Signifikat will ich die Verkörperung des Risses, will ich der Übergang, will ich Geld werden. Ich muss dauernd von der Sprache gesprochen werden, mich verkörpern und vergeistigen. Dazu gibt es das Leben, man kann es selbst herstellen, oder dazukaufen, was aufs Gleiche hinausläuft. Das Leben ist die nachwachsende Vermittlung, die Verbundenheit mit den anderen, der Austausch, Kontingenz ‒ das, was man dauernd in den unendlichen Riss des Zeichens werfen muss. Dieser herrliche Riss, dessen reinste Idee das Geld ist. Oder Gott. Aber auch Kunst. Wenn die Ware, also ich als Zeichen, nicht dauernd weiter angeeignet, also produziert wird, ist sie tot und der Geist ist fort.
Zugleich bleibt die Verkörperung immer aufgeschoben. Ein gutes Produkt bietet sich als Projektionsfläche für den dauernden Kreislauf von Projektion und Rezeption an. Es ist nie ganz fertig, sondern offen für die Benutzung ‒ work in progress ‒ das Ineinandergreifen von Produktion und Konsumption. Das Produkt zeigt keinen komplexen inneren Aufbau, sondern eine Benutzeroberfläche. Die Konsumption soll die Produktion spiegeln, aber nicht die materielle, sondern die ideologische, nicht die Arbeitsbedingungen, sondern die Werbung: Eine von tatsächlichen Bedingungen losgelöste Ästhetik, die den Käufer als Nutzer des Zeichens vorsieht. Es werden nicht Formbegriffe, sondern Verhältnisformen entwickelt; nicht Hierarchie, sondern Transversalität. Das gute Produkt ist ein virales Event. Man schaut es in einer Weise an und teilt es als Bild, die zu seiner Benutzung in mitgelieferten Bildern als vorgesehen angeboten ist, denn andernfalls verfehlte man das spezifische Erlebnis, um dessen Herstellung Nutzer und Werber harmonisch konkurrieren. Aber als Erlebnis kann das Produkt nicht besessen werden, es muss in dauernder Identifikation hergestellt, geteilt, gedeutet, collagiert, montiert, beschmutzt, gehackt, und immer wieder neu angeeignet werden. Denn wurde es erst einmal in der vorgesehenen Art erlebt, lässt sich die Bedeutung zwar nicht sezieren, aber aufstocken. Eine Unterscheidung von Protest, Fetisch und affirmierender Innovation wird sinnlos. Das Produkt hat keine Grenzen, nur Verknüpfungen. Es bietet der einzelnen erodierten Subjektformation ein Muster für ihre Differenzen, eine Anordnungsweise. Das Subjekt schüttet sich in das Zeichen und erfährt eine Formung. Das gute Produkt erfordert also Subjekte, die von ihrer Subjektivität nur noch die Einzelheit, Knappheit und Diversität haben, die also weder eine eigene Gliederung sie verknüpfender Äquivalenzketten aufweisen, noch als individuelle Subjekte völlig aufgelöst, also in fremde Äquivalenzketten eingebunden sind. So können gute Produkte Subjektformationen für die losgelösten Elemente der Menge an Subjektivität einer Person bilden.
Solche Personen sind gute Produkte in Äquivalenzketten, die, obwohl kurz gehalten, dank der zwar dysfunktionalen, aber als Menge von abschöpfbaren Elementen erhaltenen, alten Äquivalenzebenen, eine enorme Dynamik asymmetrischer Verteilung entwickeln.

Ästhetischer Protest besteht darin: man findet das Kaputte am Kapitalismus so geil und identifiziert sich konsumierend damit. Der Konsum gibt ein Passionsbild der Entfremdung ab, ist Protest, der wieder konsumiert und reproduziert wird. Gleichzeitig ist der Protest in der Ausweglosigkeit des Ästhetischen immer schon Konsum und also Produktion. Protest ist die Ware, das Produkt bleibt aufgeschoben wie die Revolution. So ist Protest das Paradigma der Warenförmigkeit in Zeiten ‒ keiner Krise, sondern ‒ der Konkursverschleppung.
Das ästhetische Objekt gibt es nicht mehr als Ding oder Werk, also mit vermittelnden Formbegriffen, die es strukturieren. Durch eine artikulierende Einschreibung in sie und deren autonome Prozesse, konnte Kunst angerufen werden. Denn Kunst war nicht direkt erreichbar, ist es nie. Gegen die Macht dieses historischen Blocks „Kunst“, wurden seine inneren Formbegriffe, seine Äquivalenzketten, seine Autonomie angegriffen, sodass sein Kunstbegriff unerreichbar wurde. Aber der Herrscher war bereits ausgezogen. Die Gefahr von Befreiungskämpfen ist, dass sie, scheinbar siegreich, mit der Unterdrückung nur die eigene Organisation auflösen und Ausbeutung in eine schwerer darstellbare Vermittlungsebene ausweicht.
Der ästhetischen Form als glatter Verhältnisform von Projektion und Rezeption fehlen komplex strukturierte, autonome Vermittlungsebenen zwischen dem Nutzer und einer Totalität der Marke, des Kampfes, oder der Kunst. Ebenen für den Tausch von angebotener und aneignender Benutzung, die Rückkopplungen in der streuenden Vermittlung ermöglichen. Es fehlen unabhängige Organisationen zwischen Produzent und Produziertem.
Wenn in der gliederungslosen Verallgemeinerung des Ästhetischen die Kritik das Produkt ist, kann die Weiterentwicklung ästhetischer Formen nicht kritisch sein. Denn die glatte Verhältnisform bietet für den Produzenten keine Autonomie, er kann also den Mehrwert nicht selbst wieder einspeisen, weil er nur eine Sequenz innerhalb einer ihn überschreitenden Äquivalenzkette ist.
Dann muss aber auch niemand mehr immer weiter aus der Kunst hinaustreten in einen wahren Kampf, oder ein Leben. Ein Außen könnte nur innen hergestellt werden, indem man sich teilt. Indem die Geteilte ihre Verteilung ‒ organisierte.

Re: Kunst

Kunst kann entweder eine Artikulation sein oder ein Diskurs. Die differentiellen Positionen der Artikulation, ihre Elemente, gewinnen ihre Identität nur in ihrer Relation zum Diskurs. Die differentiellen Positionen des Diskurses, seine Momente, gewinnen eine Einheit durch die Regelmäßigkeit ihrer Verteilung.
Identität der Elemente und Totalität des Diskurses sind ausgeschlossen, wenn Artikulation möglich ist. Totalität konstituiert sich dauernd und wird gespeist von Kontingenz, die die völlige Determinierung verhindert und damit den Prozess der dauernden Konstitution, also der auf Determinierung zulaufenden Ausschließung von Kontingenz, dauernd weiter ermöglicht.

Die Totalität eines Gesamtdiskurses über den Diskursen ist eine Fiktion. Der universelle Begriff ist ein leerer Signifikant ‒ er bleibt, als letztes Glied der Äquivalenzkette über dem nach Totalität strebenden Diskurs, immer aufgeschoben. Er wird er zum universellen Äquivalent eines Diskurses: zu Geld. Es gibt das Geld immer nur in Währungen mit unterschiedlichem Wert, Stellvertreter auch hier. Der universelle Äquivalent wird in der Regel ausgegeben vom hegemonialen Diskurs. Er verkörpert sich darin als Fiktion der Totalität. Aber die leitende Idee eines abstrakten Maßstabs kann auch wieder gegen ihn gewendet werden. Das ist entscheidend für jede Artikulation. So kann die immer aufgeschobene, nie greifbare, aber konkret als herrschend erfahrene Totalität eines Diskurses konfrontiert werden mit der Möglichkeit ihrer Alternative: Ihr seid nicht Gott, ihr seid die Kirche. Die wahre Kunst ist nicht die hegemoniale Kunst, die Redundanzkunst, die Salon- und Biennalekunst, die Kunstweltkunst, und auch nicht die Substanzkunst, die Geld und Währung identifiziert. Den wahren universellen Äquivalenten muss man anrufen, wenn die Währung inflationär und schlecht verteilt ist. Kunst kann also entweder eine Artikulation sein oder ein Diskurs oder ein universeller Äquivalent.
Momente sind differentielle Positionen in Bezug zum System, sie sind nicht einheitlich, in sich identisch oder dem System vorgängig. Es gibt keine kleinsten Einheiten. Die differentiellen Positionen der Artikulation, ihre Elemente, sind in sich different und können nicht als ganze Elemente zu Momenten eines Systems werden. Sie sind immer durchquert von verschiedenen Diskursen.
Eine Artikulation ist beschreibbar als rhetorisch und ideologisch und sie kann innovativ oder redundant sein. Sie kann darüber hinaus von einer Subjektposition ausgehen, die von verschiedenen Diskursen, oder von einem Diskurs und einem unspezifischen Feld der Diskursivität durchquert wird. Eine Subjektposition ist beschreibbar mit Artikulationen und Diskursen; ihre Konzeption ist aber notwendig, weil es keinen objektiven Rahmen gibt. Sie führt Verortung und Perspektivität ein. Eine Artikulation, die nicht teilweise außerhalb des Dikurses steht, in den sie sich artikulierend einfügt, und außerhalb ihrer Subjektposition, wäre eine ursprüngliche und in sich nicht differente Identität. Das ist unmöglich. Gott kann nicht sprechen.
Eine Artikulation, die teilweise außerhalb der Subjektposition steht, die den Diskurs vertritt, in den sie sich artikulierend einschreibt und die ideologisch und rhetorisch redundant ist, ginge ganz im Diskurs auf, wäre also keine Artikulation, sondern eine Vermittlung. Eine Artikulation, die rhetorisch oder ideologisch innovativ ist, erneuert den Diskurs und fügt sich, ihn modifizierend, als Moment in seine Regelmäßigkeit ein. Eine Artikulation, die rhetorisch und ideologisch innovativ ist, läuft Gefahr, wegen zu schwacher Redundanz nicht verstanden zu werden, also als Vermittlung zwischen Allgemeinem und Besonderem zu scheitern. Ihre Elemente würden dann nicht als Momente des wachsenden Systems des Diskurses bestätigt. Sie löst sich auf.

Äquivalenzen sind Vermittlungsebenen; als Äquivalenzketten sind sie Systeme innerhalb des Systems eines Diskurses. Nur Vermittlungsebenen können systemisch sein, da, wie wir gesehen haben, Totalität und Identität immer nur erstrebt, aber nie erreicht werden. Es gibt kein allumfassendes oder basal ursprüngliches System. Innerhalb einer Äquivalenz sind die differentiellen Positionen gleichwertig in Bezug auf einen allgemeinen Wert. Sie differieren untereinander, indem sie als Elemente Teil unterschiedlicher anderer Äquivalenzen sind und bilden eine Einheit nur als Momente dieser Äquivalenz, die so ein offenes Inneres und ein abgrenzbares Außen schafft. Von Außen, also als Qualität, ist die Äquivalenz wiederum eine Differenz unter anderen differentiellen Positionen in weiteren Äquivalenzen. So entstehen Äquivalenzketten, Prozesse des Tauschs von Unterschiedlichkeit und Gleichwertigkeit. Insofern die Übergänge in Kreislaufprozesse von Wiedereinspeisung der Differenz übergreifender Äquivalenzen münden, entstehen systemische Äquivalenzketten. Sie gewinnen eine relative Stabilität durch die selbständige Herstellung eines Raums ihrer Möglichkeit, also Autonomie.

Eine Artikulation als eine Menge differentieller Positionen steht mit einem bestimmten Verhältnis von Redundanz und Innovation in Bezug zu einer Äquivalenzkette eines Systems, so dass bestimmte Elemente systematisch von Redundanzen abweichen. Die Artikulation bildet durch ihr inneres Differenzverhältnis von Innovation und Redundanz eine Äquivalenz von Differenzen, die die bestehenden Äquivalenzketten ergänzt und verlängert.
Bei der Eingliederung einer Artikulation in die Äquivalenzketten eines Systems wird das System modifiziert. Durch die Modifikation des Systems verschwindet die innere Differenz der Artikulation, ihre Elemente werden glatt, bloße Momente des Systems. So stabilisiert sich das System und gewinnt gleichzeitig die Möglichkeit emergent neue Ebenen auszubilden. Ohne Artikulationen wäre es eine geschlossene deterministische Maschine, ohne Entwicklung, sogar ohne Zeit. Artikulationen versorgen also das System mit Kontingenz, verhindern seine Schließung und ermöglichen im Austausch mit dem System Emergenz. Gleichzeitig versorgt ein System die Artikulation mit der Redundanz, vor der sich ihre Innovation abheben kann. Der dauernde Tausch von Äquivalenz und Differenz im Austausch von Artikulationen und Systemen schafft durch emergente Verwandlung das Neue.

Ein kritischer Zustand tritt ein, wenn ein System sich verfestigt und die emergente Dynamik abnimmt. Artikulation wird zunehmend redundant und findet kaum mehr Möglichkeiten, die Äquivalenzketten innovativ zu differenzieren, während gleichzeitig das System kaum mehr Abweichung zulässt. Dieser Zustand kann stabilisiert werden und sehr lange anhalten, denn ein System ist nicht auf Wachstum und Verwandlungsfähigkeit angewiesen. Es kann sich auch darauf beschränken, Veränderung seiner Umgebung zu kompensieren. Es braucht dann eine starke Identifikation des universellen Äquivalenten mit der fiktiven Totalität und eine feste hierarchische Gliederung der Äquivalenzketten, die einen geregelten Austausch von Differenzen im Inneren ermöglicht, die außen hergestellt werden, zum Beispiel durch geteilte Subjektpositionen, also durch konkurrierende Systeme. Das System stellt ein exklusives Weltmodell dar und schließt deshalb große Teile von Welt, nämlich konkurrierende Weltmodelle aus. Das System bleibt stabil über der Verwandlung von ihm äußerlichen Äquivalenzen in Differenzen fester eigener Äquivalenzketten. Innovative Artikulation tritt zugunsten von optimierender Vermittlung zurück.
Dagegen wird ein System, das darauf angelegt ist, neue Äquivalenz als Differenz herzustellen, also integrierend zu expandieren und innerhalb einer Welt zu hegemonisieren, sich selbst als Außengrenze verlorengehen. Es wird sich immer mehr in Diversität vereinheitlichen und seine Äquivalenzketten und damit sich selbst letztlich auflösen. Solange es hegemonisierte, konnte es auch Systeme als Differenzen integrieren, die es bekämpften. Setzt es sich als globale Totalität, die alle Unterschiedlichkeit integriert, durch, zerfällt es. Es ist nicht mehr die wahre Welt, sondern es ist alle Welt und alle Welt ist Teil von ihm, so unterscheidet es sich von aller Welt nur negativ, indem es nicht alle Welt ist. Als in sich einheitliche Negation kann es keinen Maßstab mehr bilden und die von ihm hegemonisierten Systeme treten aus seinen zerfallenen Äquivalenzketten, seine systemischen Momente werden zu Elementen einer Menge.
Der Gegner eines Systems, der vermeiden will, dass seine Opposition als innovative Differenz ins gegnerische System eingespeist wird, muss versuchen, für dessen Äquivalenzkette eine einzige disruptive, vereinheitlichende und nicht vorgesehene Äquivalenz zu entwerfen. Gelingt dies, könnte er die Momente als freigewordene Elemente aus dem organischen Zusammenhang herauslösen und sämtlich in die eigene Äquivalenzkette übernehmen, um das andere System zu ersetzen. Dann hätte er aber durch eine Abkürzung eine komplexe durch eine einfache Äquivalenzkette ersetzt. Es besteht die Gefahr, dass das neue System selbst eine Vereinheitlichung erfährt und Beute eines weiteren Systems wird. Deshalb muss in der neuen, kurzen Äquivalenzkette eine Asymmetrie zwischen den von der Abkürzung eingeschlossenen Differenzen und dem vereinheitlichenden Zugang eingebaut sein. Das Beste ist, das ersetzte System als kommensurable Menge der frei schwirrenden Differenzen zu erhalten, während das eigene System, darauf aufbauend, einseitig Zugang herstellt. Das zur Menge gewordene System scheint seine konstitutive Grenze gegenüber äußerer Differenz zu bewahren, obwohl es innerlich keine Äquivalenz mehr entwickelt, also nicht mehr den eigenen Maßstab des Tauschs bestimmt. Die Grenze der Menge wird nicht mehr autonom, sondern von der einseitig abgegrenzten Äquivalenzebene hergestellt, die die Menge der Differenzen abschöpft. Auf der einen Seite entsteht dann ein reduktionistisches Netzwerk, wo Artikulationen freiwillig an der ausdifferenzierenden Vermehrung losgelöster Differenzen arbeiten, eine res extensa. Auf der anderen Seite der Hohlraum der res cogitans, wo der Mehrwert abgeschöpft wird. Wer nicht weiß, auf welcher Seite er steht, kann nachsehen, ob er auch eine innere, oder nur eine äußere Grenze hat. Ein autonomes System stellt sich als identisch her durch den geregelten Austausch zwischen inneren und äußeren konstitutiven Grenzen.
Gewiss wäre es wünschenswert, wenn Menschen in geschlossenen Kreisläufen kooperierten. Aufgrund von Machtvakuen sind aber die Asymmetrien der Ausbeutung von Konkurrenz der Fall. Je kürzer die Äquivalenzketten und je geringer die Komplexität des Systems, umso einheitlicher die Ausbeutung des Vielen. Ungewiss ist der Moment der Singularität.

Dagegen könnte eine Aufgabe sein: Verkörperung des Netzwerks, Positivität der Vermittlung, innere Gliederung als vertikale Integration. Man müsste Scheide werden.